Theodor Warner

Das Undurchhörbare
Beiträge zur Hörpsychologie
und Didaktik der Moderne

1. Auflage 1969

AGIS Verlag Baden-Baden
173 Seiten, 21,2 x 13,8 cm
Leinen, 12,50 EUR
ISBN 978-3-87007-003-8

Die traditionelle Auffassung diagnostiziert und wertet moderne und neue Musik lediglich als Gegenstände einer apodiktisch sich überordnenden Ästhetik, weil die zurzeit geltende Gehörpsychologie und die an der Tonalität orientierte Musik sich wechselseitig bestätigen. Die unser Jahrhundert bestimmende Atonalität kann dieser Auffassung entsprechend weder »Musik« darstellen, noch gehörpsychologisch erfasst oder gar gerechtfertigt werden.

Da nun aber diese Atonalität, das Substrat der musikalischen »Modernität«, sich als geschichtliches Phänomen und psychologisches Problem nicht aus der Welt schaffen lässt, wird sie mehr und mehr zur kritischen Instanz auch dann, wenn die geltende Musikpsychologie ihr ausweicht. Das Bewusstsein der »Modernität«, mit der wir es nicht nur in der Musik zu tun haben, ist das einer geschichtlichen Zäsur, deren psychologische Erfassung offensichtlich nur dann möglich ist, wenn man zumindest die Möglichkeit geschichtlicher Veränderungen auch in den als systematisch-unwandelbar angesehenen Bereichen der Musikpsychologie erwägt.

Die vorliegende Arbeit von Professor Dr. Theodor Warner, Flensburg, gründet in Vorlesungen und Übungen für künftige Musikpädagogen; sie ist deshalb didaktisch und lernpsychologisch an der Frage orientiert, wie moderne Musik vor allem in ihrer Theorie verstanden sein will, damit aus ihr wiederum das Werk sich dem Verstehen wie auch der kritischen Analyse öffnet. Die Arbeit stützt sich auf eine der Überschaubarkeit wegen klein gehaltene Zahl von musikpsychologischen Standardwerken (E. Kurth, G. Révesz, A. Wellek u. a.), auf die von modernen Komponisten entwickelten Musiklehren und – der Doppelnatur von »Modernität« entsprechend – auf programmatische Theorien zur Ästhetik dieser ihrer Modernität.


Der Autor

Professor Dr. Theodor Warner in Flensburg, geb. 1903, aufgewachsen in Berlin, studierte Naturwissenschaften mit Schwerpunkt Physiologie an der Universität Berlin und Musik am Stern’schen Konservatorium. Es folgten Promotion und Staatsexamen, Assistententätigkeit an den Universitäten Berlin und Heidelberg und ein längerer Forschungsaufenthalt am Imperial College of Science in London. Dort gründete er einen englischen »Singkreis« mit Konzertreisen im Nord- und Ostseeraum. 1932 völliger Übergang zur Musik mit abschließendem Studium an der Staatl. Akademie für Kirchen- und Schulmusik in Berlin-Charlottenburg. Nach dem Staatsexamen wurde er Lehrer und Leiter eines Auslandschores mit Konzertreisen nach England, Schottland, Dänemark, Schweden, und Finnland. 1939–1944 war Theodor Warner Dozent und Professor an der Staatl. Hochschule für Musikerziehung in Graz. Nach Wehrdienst und Zusammenbruch wurde er musikpädagogisch in Schleswig-Holstein tätig und ist seit 1950 Professor an der Pädagogischen Hochschule Flensburg. Für drei Amtsperioden war er deren Rektor. Neben Chor- und Instrumentalkompositionen gibt es von ihm Veröffentlichungen zur Didaktik und Methodik des Musikunterrichts.

Die vorliegende Arbeit verdankt ihre Entstehung dem Ungenügen, das der Verfasser angesichts der traditionellen akademischen Musikpsychologie empfand, hat diese es doch bis in unser Jahrzehnt hinein vermieden, sich den psychologischen Problemen zu stellen, die von der spättonalen und der atonalen Musik aufgeworfen worden sind.